How to survive….

…kranke Kinder!

Ja, dazu braucht man echte Kämpfereigenschaften, eine weiche Schale und einen rauhen Kern sozusagen. Denn kranke Kinder (man beachte den Plural!) sind wirklich eine Herausforderung. Ich rechne damit, dass das Gesund-pflegen von kranken Kindern im eigenen Haushalt, genau wie das Anziehen mehrerer Kinder bei winterlichen Temperaturen (Stichwort: alternierendes Bilden von Zwiebelschichten), demnächst zum Ausbildungsberuf auserkoren wird.

Definitiv habe ich mittlerweile kostbare Skills in beiden Angelegenheiten erlangt – aber hier verrate ich jetzt erstmal das wesentlich in puncto Überlebenstricks bei kranken Kindern.

So vor zwei Wochen war es nämlich soweit, beide Mädels ziemlich krank, viralen Infekt mit Beteiligung der oberen Atemwege. Das bedeutet auf gut deutsch: verrotze Nasen, minütliches Niesen mit vielen Gelegenheiten zur Tröpcheninfektion, rauhe Stimmen bis zu Stimmversagen und vor allen Dingen Husten. Husten ist deshalb so nervig, weil er einen vom Schlafen abhält. Wenn man unter einem Jahr alt ist, so wie das Bernsteinmädchen, dann bekommt man nur homöopathischen Hustensaft verabreicht. Der wirkt so mäßig. Wenn man über zwei ist, bekommt man schon das bessere Zeug, wirkt aber auch nur so mäßig, wenn es einen richtig erwischt hat. Wenn man es als Kind dann endlich geschafft hat einzuschlafen, dann ist Husten immer noch nervig, nämlich für die Eltern, die dadurch via Babyphone geweckt werden oder noch besser; gar nicht erst einschlafen können. Tja also, da kommt man schon ziemlich zügig zum Hauptproblem bei kranken Kindern – alle haben akuten und massiven Schlafmangel. Das schlägt auf die Laune und auf die Konzentration. Bei mir führt das dazu, dass ich den O-Saft im Tassenregal abgestellt habe (ich nehme an der sollte ins Kühlmöbel) und bei den  Kindern führt das dazu, dass jeder Versuch zu spielen, in Frust endet, weil eben irgendwie nichts gelingt.

Die Legolok fährt schief und kippt ständig um, die Puzzleteile passen nicht mehr, Bücher tun in den Augen weh und alles nervt. Die nun folgenden Tipps beziehen sich auf das große Jadekind, das kleine Mädchen schläft dann entsprechend viel und wird ansonsten in der Bauchtrage von mir durch die Weltgeschichte buxiert, damit es zufrieden bleibt.

Hier also meine Tipps:

  1. Bei Krankheit alle pädagogischen Grundsätze über Bord werfen und Fernseh schauen uneingeschränkt zu lassen. Also natürlich läuft dann hier kindgerechtes Fernsehen und auch nichts von den dämlichen Serien, aber es läuft der Fernseher. Dazu bau ich eigens ein Krankenlager vorm TV auf, in dem ich unkompliziert und permanent pflegend einwirken kann. Anfänglich hatte ich tatsächliche Gewissensbisse, aber es geht einfach nichts anderes und außerdem habe ich beim genaueren Nachdenken festgestellt, dass ich damit nur guten Traditionen folge. Bei mir damals war es genau so. Ich hab trotzdem eine Hochschule besucht und nach gar nicht so langer Zeit mit einem Staatsexamen verlassen. Versaut einem also nicht postwendend alles, so ne TV-unterstütze Therapie.  Zwischendurch geht die Glotze natürlich mal aus. Dann gucken wir was die Konzentration macht und wagen ein Spielchen, das geht auch ne Weile gut. Ich lass zu diesen Zeiten die Große das Tempo bestimmen und schalte das erzieherische Moment dabei komplett aus. Das führt dazu, dass die Zeit auch für mich entspannter ist, wir gehen uns nicht wegen Kleinigkeiten auf den Sack. Harmonie hilft beim gesund werden ungemein. So die These.
  2. Ein Inhalationsgerät mit Kochsalzlösung. Kein Scheiß, das hilft wirklich ungemein. Hersteller egal, Hauptsache es wird der discotypische Nebel produziert und die Kinder atmen es ein. Dreimal fünf Minuten am Tag helfen enorm.
  3. Ein Hoch auf den Nurofensaft in Geschmacksrichtung Erdbeer. Der ist wirklich super. Wirkstoff Ibuprofen. Den kann man sich auch mal getrost selbst einverleiben. Da fühlt man sich tatsächlich schlagartig besser. Ich hab immer noch Angst, dass man eines Tages herausfindet, dass dort illegale Substanzen verwendet wurden und man das Zeug wieder vom Markt nimmt. Für diesen Fall hab ich mich bereits bevorratet, der komplette Apothekerschrank ist voll davon. Die stellen uns hier eher den Strom ab, als das der Nurofensaft ausgeht.
  4. Ein allerletzter antichristilich anmutender pädagogischer Superskill: Kinder essen wenn sie krank sind schlecht. Das ist auch erstmal nicht so schlimm, dass können die ganz gut wegstecken. Was doof und gefährlich werden kann ist zu weniges Trinken. Deshalb pimpe ich den Tee (Milch ist natürlich unangefochtenes Lieblingsgetränk, führt aber bei Husten nur zu noch mehr Husten) mit großen (wirklich großen!) Mengen an Zucker, wahlweise Traubenzucker. Das ist nicht gut für die Zähne, führt aber immerhin zu einer energiereichen Flüssigkeitszufuhr. Außerdem gibt es dann gerne ne Runde Speiseeis für alle. Tut bei Halsschmerzen gut, hebt die Laune und ist ja auch fast flüssig.

 

Zusammenfassend lade ich Sie ein, die Situation nun zu visualisieren. Da liegt also ein verrotztes, hustendes und fieberndes Kind auf einer Matratze vor dem TV. Um es herum wabern Nebelschwaden aus dem Inhaltionsgerät, es gibt stark zuckerhaltige Getränke und Eis. Außerdem (vermutlich illegale!) Medikamente.

Das sind doch mal bärenstarke Tipps. Wenn Sie mich nicht hätten….

 

 

Arschloch – Kinder

Es tut mir wirklich leid, aber ich habe schlichtweg keine nettere Überschrift für diesen Beitrag gefunden. Die soll ja auch passen, die Überschrift. Und mein Credo ist es überhaupt hier einen authentischen Abriss meines Lebens mit Mann und Kindern und Hund am Meer zu geben. Also; ab dafür!

Es gibt sie nämlich wirklich, die Arschloch – Kinder. Ich hatte schon länger den Verdacht eines zu kennen, aber gestern hat es sich endgültig bestätigt. Mit dem Jadekind besuchen wir seit circa einem Jahr einen Turnkurs, der zeichnet sich nicht nur durch eine extrem nette und kompetente Kursleitung aus, sondern auch durch einen sehr großen Anteil wirklich sympathischer Eltern (Mütter), mit denen man tatsächlich gerne plauscht und sich freut sie zu sehen. Mit eben diesem Großteil der Eltern hat der Edelsteinpapa seinerzeit bereits einen Pekipkurs besucht (ich habe da voll gearbeitet und mein Mann war 8 Monate zu Hause – ein durchaus gelungener Rollentausch war das!), das bedeutet, die Kindern kennen sich schon sehr lange und alles verläuft dem ALter entsprechend harmonisch. Das liegt auch durchaus daran, dass jeder sein Kind wirklich angemessen und umgehend maßregelt, wenn es (in dem Alter ja völlig normale) Ansätze von nicht angemessenen Besitzansprüchen hegt. Heißt nichts anderes als, wer anderen zum Beispiel einfach einen Ball wegzockt, der wird zur Rede gestellt und hat das Diebesgut unverzüglich wieder auszuhändigen. Ebenso wird bei den verschiedenen Aufbauten, wie Rollrutsche, Krabbeltunnel und Hüpfematte darauf geachtet, dass man Rücksicht nimmt, wartet bis man dran ist und sich nicht einfach vordrängelt. Das klingt für Sie selbstversändlich? Schade, dass mein höhnisches Lachen nicht zu hören ist. Es ist nicht selbstverständlich. Leider. Wir haben, bevor wir das Glück hatten auf diese Krabbelgruppe zu stoßen, schon einige andere ausprobiert. In der Regel liefen diese Eltern-Kind-Turnveranstaltungen so ab, dass man ca 40-50 Kinder (kein Witz!!!!) in eine mit sämtlichen Turnutensilien überfrachtete Halle steckte und dann hoffte, dass es nur auf einige Platzwunden herauslaufen möge. Dabei lehnen sich die meisten Eltern entspannt zurück und das Kind mit der besten Ellbogenmentalität und der unverschämtesten Herangehensweise, welches nicht vor körperlicher Gewalt zurückschreckt, dieses Kind, das hat Spaß. Alle anderen nicht so sehr. Wenn man lange genug dort hingeht, bekommt man so ein Kind. Da ich erstens ein schüchternes Kind habe, dem die gerade genannten Eigenschaften geradezu widerstreben und ich zweitens diese Form von Erziehung absolut zum Kotzen finde (Hallo, schöne neue Welt – so wollen wir leben?), waren diese Turnstunden nichts für uns und die Krabbelgruppe die wir jetzt besuchen war und ist ein echter Segen.

Dennoch hat sich auch in diese von Harmonie und Wohlerziehung geprägte Gruppe ein Arschlochkind eingeschlichen. Und das wäre ja noch nicht so schlimm, wenn dieses Kind nicht in Begleitung seiner Arschlochmutter käme, die den Gemeinheiten ihres Kindes milde lächelnd zuschaut und NICHTS unternimmt. Nun ist nicht nur mein Jadekind Zielscheibe des Arschlochs, sondern auch so gut wie alle anderen Kinder. Eigentlich kamen die Boshaftigkeiten immer recht wohl dosiert, so dass es zu viel war um es zu übersehen, aber auch zu wenig, um wirklich ein Fass aufzumachen. Aber gestern schlug es eben diesem Fass den Boden aus.

Das Jademädchen fröhlich vergnügt schaukelnd – kommt das Arschlochkind vorbei, guckt diebisch-dämlich und haut ihr volle Lotte auf den Rücken. Das Jadekind hat es in ihrer Freude gar nicht wirklich gemerkt. Das war dem Arschlochkind  natürlich zu wenig, deshalb schlug es nochmal zu. Neben sich, seine milde lächelnde Mutter. Ich also “ Elina (Name von der Redaktion NICHT geändert!), lass das bitte!“. Arschlochkind guckt verdutzt, ist eben solche Ansprachen nicht gewöhnt. Die Mutter macht gepflegt nichts. Danach kamen noch diverse Nickeligkeiten (nicht nur uns gegenüber), wie Ball abzocken (Mutter lächelt milde), von der Rutsche schubsen (Mutter lächelt milde), sich unzählige Male vordrängeln (Mutter lächelt milde, guckt wahlweise weg) und der Gipfel war, als sie den schwächsten Jungen der Gruppe, der Brillenträger ist, brutal (ja, wirklich!) gegen die Heizung stieß und ihm sofort im Anschluss die Brille von der Nase zog. Seine Mutter schrie laut „Nein! Das macht man nicht!“. Ihre Mutter, ja sie ahnen es, lächelte milde.  Was für zwei Arschlöcher.

Auf dem Nachhauseweg war ich enttäuscht von mir selbst. Das hätte ich besser machen sollen und müssen. Mich überfielen Fantasien, in denen ich das Jadekind auffordern würde zurück zu schlagen bei der nächsten Attacke. Nicht so sehr, weil ich  das mal sehen will, sondern weil ich die (mit Sicherheit und unter Garantie!) höchst empörte Reaktion der Arschlochmutter genießen würde um dann den Hinweis zu geben, dass sie Gewalt ihres Kindes doch auch toleriere  und wo jetzt das Problem sei. Aber Nummer eins, ist das auch irgendwie unverhältnismäßig und Nummer zwei müsste ich da mit dem Jadekind nochmal den Uppercut üben, das liegt ihr nämlich wie gesagt überhaupt nicht.

Also hab ich mich für Variante Nummer zwei entschieden. Bei der nächsten Gelegenheit (und die wird sehr schnell kommen), spreche ich die Mutter direkt an und zwar a lá „Findest du das eigentlich in Ordnung wie sich Elina verhält?“, dann warte ich die entsprechende Reaktion ab und lasse dem Gespräch seinen Lauf. Das regt mich jetzt schon auf das Gespräch, aber es nützt auch nichts, die beiden sollen in die mit 50 Kindern besetzten großen Turnhallen und sich dort (Achtung Wortspiel) durchschlagen.

Was für zwei Arschlöcher.

Das erste Mal andersrum

Gestern ist es dann passiert, das Jadekind geht ja seit Ende letzten Jahres an zwei Tagen die Woche zu einer Tagesmutter. Vormittags und für eine ganz gemütliche Zeitspanne. Am Anfang war es eine halbe Stunde, dann eine ganze und die Höchstleistung liegt bei drei Stunden. Mit dabei sind immer 1-2 andere Kinder. Ich glaube in der pädagogischen Fachsprache nennt man das Loslösegruppe. Beim Loslösen hat sich das Kind dabei an den ganz normalen Rhythmus von Kleinkindern innerhalb dieses Prozesses gehalten. Erst war die Zeit dort spannend und heiß geliebt, dann kam eine Phase in der es gar nicht hin wollte und ich nochmal wie zu Beginn mit rein musste, dann lief es ganz normal und in den letzten 2 Wochen lief es gar nicht. Das lag aber daran, dass wir hier alle mit einer fiesen Virusinfektion flach lagen und an ausserhäusige Veranstaltungen nicht zu denken war. Also war gestern der Tag, an dem das Jademädchen wieder mal zu „Bekka“ ging, ich hatte so ein bisschen meine Bedenken, waren wir doch länger nicht da, ob es eventuell wieder einen Rückfall in Richtung „Mama, pomm mit!“ geben könnte, aber Pustekuchen. Ganz freudestrahlend begab sich das gar nicht mehr so kleine Kind auf den Weg zur Haustür, selbstredend trug sie ihre Tasche selbst, drückte dann  beherzt  auf die Klingel, kurz danach mir einen Kuss auf den Mund und sagte „Tschüss Mama, Wiedersehn!“. Ja, soweit so gut. Als ich dann zwei Stunden später das Kind einsammeln wollte passierte etwas Neues im Rhythmus des Loslösens, sie wollte nämlich da bleiben, „bei Bekka bleiben“, und nicht mit nach Hause. Das Jadekind fing sogar an zu weinen und stampfte mit den Füßen. Da war ich perplex. Was ich gar nicht war, ist gekränkt oder verletzt. Das hört man ja immer wieder, dass es diese Gefühle bei Müttern dann geben soll. Aber diese Anwandlung hatte ich nicht eine Sekunde. Eher im Gegenteil, sofort nach dem ich das Perplexe überwunden hatte, war ich ein klein bisschen stolz und (jadasgebichzu) auch etwas amüsiert. Wie es dort stand das Kind und seinen Wunsch äußerte und es geschafft hatte sich so sehr ins Spiel zu vertiefen, dass ich einfach ungelegen kam. Es war das erste Mal andersrum. Und es war schön.

Immer wieder Paris

Es mangelt wahrlich nicht an Berichten und Kommentaren zu den Ereignissen des 13. Novembers 2015 in Paris.  Trotzdem habe ich das Bedürfnis auch meine Gedanken dazu festzuhalten.

Ich habe so gesehen Glück. Meine Kinder sind noch sehr klein.  Sie haben von den Attentaten nichts mitbekommen und ich gerate nicht in Erklärungsnöte. Kindern zu erklären was dort passiert ist, ohne das sie Angst oder Verunsicherung spüren, halte ich für eine große Herausforderung.

Aber das ist gar nicht mein Hauptglück, wenn man das überhaupt so nennen kann. Irgendwie finde ich die Bezeichnung „Glück haben“ in dem Zusammenhang fehl am Platz. Denn es hätte jeden von uns treffen können.  Jederzeit und überall.  Es hat weniger mit Glück als mit einer perversen Willkür unmenschlicher Fanatiker zu tun.

Vielleicht ist es besser zu sagen ich bin verschont geblieben, nicht nur von den Attentaten direkt (denn weder ich noch ein mir nahestehender Mensch wurden verletzt),  sondern meine Kinder sind eben noch klein. Sie fühlen nicht die Unsicherheit, die wie ein Ruck durch das Land geht. Sie wissen nichts von der Bedrohung die überall zu lauern scheint.  Kurz; für sie hat sich nichts geändert .

Und auch auf eine andere Art fühle ich mich verschont: durch das Alter meiner Kinder ist es nun mal so, dass sie noch nicht raus in diese Welt ziehen. Sie gehen noch nicht auf Konzerte.  Machen kein Auslandssemester in einer der schönsten Städte Europas. Sie sitzen nicht am Freitag Abend  in einem Café oder Restaurant und feiern ihr unschuldiges , freies Leben.

Ob ich dadurch die Möglichkeit habe sie besser zu beschützen weiß ich nicht.  Aber ich werde alles tun was in meiner Macht steht.

Ich wurde wie oben geschrieben nicht direkt getroffen.  Aber ich bin verletzt.  Wir sind alle verbunden miteinander, das was dort passiert hat mir weh getan und tut es noch. Während ich in meinem Bett lag und den Atemzügen meiner schlafenden Kinder lauschte und unsere Herzen im Gleichklang schlugen, verloren gar nicht weit weg Eltern ihre Kinder und Kinder ihre Eltern.  Durch Taten die so grausam wie kaltblütig wie sinnlos sind.

Wie es ist diesen Schmerz aushalten zu müssen kann ich mir nicht im Ansatz vorstellen. Allein der Gedanke darsn schmerzt und macht mich krank.

Das alles hallt in mir jeden Tag nach und ich bete zu Gott, dass er diesem Terror ein Ende machen möge. Das wir alle unser freies Leben wieder so leben können wie bisher. Das ich meine Kinder, wenn es Zeit dafür ist, in eine Welt ausziehen lassen kann, die verstanden hat, dass wir alle eins sind.  Wir und unsere Götter auch.

 

Und plötzlich hab ich gedacht „Brauchst du gar nicht…den Mantel von der Melli „

Alles Quatsch. Mal runterkommen. Mal durchatmen. Mal neu fokussieren.  Heute ist es passiert.  Die Melli kenn ich von den Musikzwergen. Ihr Sohn und meine Tochter machen einmal die Woche zusammen Musik. Also mehr oder weniger.  Wir Mamas sitzen im Kreis, singen mit ungeübten Stimmen viel zu hohe Kinderlieder und freuen uns, wenn die Kleinen da auch nur ansatzweise mitmachen.  Mütter eben. Jedenfalls war die Melli mit mir parallel schwanger (also jetztmit unseren zweiten Kindern) und nun ist es so; die ist immer ganz nah dran an perfekt. Die Klamotten passen immer zusammen  (und sind immer sauber!), die Frisur sitzt, das Auto ist gewaschen, das Kind ist durchgestylt und hübsch ist sie auch noch. Und heute, während ich im Auto saß und fuhr ( so 40km/h) ,  da bemerkte ich einen tollen Mantel.  Der war gewagt, nämlich blau mit weißen Punkten und nem tollen Schnitt.  Der spazierte da am Wegesrand. Sah so nach teurer Hamburger Individualistenmarke aus, DERBE, oder so. Naja und beim zweiten Hingucken. Wer steckt drin im Mantel?  Sie ahnen es: die Melli! Ja hab ich gedacht, das war ja klar, wer sonst. Und dann bin ich im Kopf meine Garderobe durchgegangen und hab gedacht;  so nen mutiger, cooler Mantel, der fehlt dir aber noch. Und es war so ein bisschen wie in der Werbung, als hätte der Mantel mit einem Versprechen gewunken, dass alles ganz leicht von der Hand geht (mit zwei Kindern und so) und auf Schlag glücklich und zufrieden macht er auch.

Das war ja heute vormittag.  Und irgendwie hab ich im Laufe des Tages immer wieder dran denken müssen.  Ich bin per se kein neidischer Mensch. Also sollte das jetzt im Fall Melli etwa so weit sein? Ich bin auch kein allzu materialistischer Typ. Ja, ich mag schöne Sachen und ich mag auch Shoppen, aber ich brauche Luxusgegenstände nicht zum glücklich sein. Also warum löst das alles so eine komische Sehnsucht in mir aus?

Wenn Sie denken jetzt kommt die Antwort, muss ich Sie enttäuschen. Die Antwort ist leider noch nicht vorrätig.  Aber es zeichnet sich eine Tendenz ab; ich glaube ich habe mir selbst ( entweder aufgrund meiner eigenen Erziehung oder aufgrund gesellschaftlicher Strömungen  (also kurz; dem Zeitgeist ) ) verboten, Bewunderung gegenüber anderen Menschen walten zu lassen.  Da kommt irgendwie automatisch Misstrauen mit hoch. Abr ich bewundere es, wenn jemand einen Stil hat, den man quasi auch aus dem Augenwinkel bei 40km/h sofort erkennt, wenn jemand sein Leben im Griff hat bewundere ich das auch. Da braucht man nicht komisch werden, es ist doch ok zu jemandem aufzuschauen (oder hinzuschauen) und zu denken „Hey, ich hab den Eindruck du bist cool und kriegst das alles gut geregelt! „. OHNE dass man sich selbst dabei schlechter fühlen muss. Warum denn? Eventuell kann der andere gerade wegen dieser Bewunderung als Antrieb und Schwung dienen!? Und  genau mit dieser Erkenntnis haben sich meine Melli-Gedanken schlagartig beruhigt. Was wohl beweisen dürfte, dass ich damit nicht auf dem totalen Holzweg bin.  Und dann kam noch ein toller Gedanke dazu, ohne dass ich den forciert habe, der kam einfach so, quasi freiwillig: „Brauchst du gar nicht, den Mantel von der Melli, hast selbst schöne Mäntel. „.

Der Tag an dem mein Kind das Sch…- Wort lernte

Lange nichts geschrieben, lange nichts gehört, aber das hatte nun wirklich seinen Grund. Hier begab es sich nämlich vor einiger Zeit, dass einiges aus den Fugen geriet. Und zurück in die Spur finden ist nicht unbedingt schwieriger als früher, aber es dauert länger. Das ist so ähnlich wie mit dem Kater, konnte man früher 3 Tage hintereinander durchfeiern und es genügte der halbe Sonntag und man war wieder auf Normalnull, so ist es doch heute gänzlich anders. Ein Abend ein bisschen länger aus, ein kleines Glas mittelstarken Alkohol zuviel und schon braucht man nicht einen halben Tag Regeneration, sondern direkt eine halbe Woche.
Und wir haben hier eine Woche hinter uns gebracht im September mit wenig Schlaf, viel Krankheit und viel Stress, die jetzt, so nach 4 Wochen endlich komplett verkraftet scheint. Klingt komisch? Ist aber so.
To make a long story short, hier im Telegrammstil: Der Mann eine Woche auf Fortbildung. Am ersten Abend alleine ereilt mich das traurige Gespräch mit einer Freundin über die Totgeburt, die ihre Schwester erleiden musste. Traurig und mitgenommen ins Bett. Um 3 Uhr aufgewacht und überzeugt gewesen Einbrecher im Haus zu haben. Herzklopfenderweise raus, Kinder schliefen. Gelauscht. Geräusch kam aus dem Badezimmer. Da schläft doch der Hund. Tür auf, kein Hund da. Der hockte in der Badewanne, dort war er schmerzerfüllt hineingesprungen (es sollte sich im Laufe der Woche herausstellen, dass er einen gequetschten Schwanz hatte und sich diesen so blutig gebissen hatte in jener Nacht, dass er vor Schmerz in der Badewanne landete). Hund aus der Wanne raus. Der war so schmerzerfüllt und schrie (der jaulte nicht, er schrie), dass ich ihn keine Sekunde aus den Augen lassen konnte. Gott sei Dank schliefen beide Kinder. Anruf bei meinen Eltern. Bitte um sofortiges Erscheinen. Gesagt getan (meine Eltern sind spitze!). Dann mit dem Hund zum Notarzt. Fehldiagnose (das führte dazu dass der Hund weiterhin Schmerzen hatte und mich 2 Tage auf Schritt und Tritt verfolgte). Erst dann fuhr ich (mea culpa) zu unserem Haustierarzt, der die richtige Diagnose stellte und auch den Schmerz endlich behandelte. Am Morgen dieses Tages (meine Nettoschlafenszeit lag bei ziemlich genau zwei Stunden. Und diesmal war netto=brutto) wachte das Jadekind mit Fieber und Bläschen auf der Zunge auf. Direkt vom Tierarzt zum Kinderarzt (nur vorher kurz Hund gegen Kind getauscht), Diagnose: Scharlach (Gott sei Dank stellte sich das auch als falsch heraus). So war ich dabei einen Hund, ein großes Kind und ein kleines Kind (die nun in osteopathischer Behandlung ist und sich seit dem viel gebessert hat), das sehr unruhig und weinerlich war, zu versorgen. Ende vom Lied war, dass ich an diesem Abend keine Milch mehr hatte und das kleine Bernsteinmädchen nun obendrauf auch noch aus Hunger schrie. Der echte Wahnsinn aber kam am nächsten Tag. Hund hatte sich etwas beruhigt, der Rest auch. Hund zum morgendlichen Geschäft machen in den Garten gelassen. Plötzlich jaulte der wieder. Hinausgerannt mit dem Jadekind ohne Schuhe auf dem Arm. Hatte den Hund doch tatsächlich eine Biene genau in seine wunde Schwanzstelle gestochen. Streng nach dem Motto: Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech hinzu. Diese Biene jedenfalls hing da nebst Stachel auch noch dran. Hund sprang wild umher, ich mit Kind auf dem Arm hinterher, um das Übel zu entfernen. Dabei, ich gestehe, ist mir nicht aufgefallen, dass ich wohl so an die vier, fünf mal, das Wort „Scheiße!“ ausrief. Dessen wurde ich mir erst bewusst, als Biene und Stachel raus, der Hund ruhig, wir wieder drin und das Jadekind mit nacktem Füßen auf dem Teppich stehend „deisse, Mama!“ sagte. Wohl wahr. Schlaues Mädchen.
Unnötig zu erwähnen, dass diese Woche sich genau so weiterentwickelte und ich, als der Mann am Ende der Woche wieder da war, irgendwie leicht neben mir stand.
Aber, und das muss ich noch erwähnen, weil es meine Theorie unterstützt, dass Authentizität in der Kindererziehung der Schlüssel zu vielen Erfolgen ist:
Das Jadekind erledigt ihren Mittagsschlaf stets ohne Begleitung, heißt; hinlegen, guten Schlaf wünschen, Zimmer verlassen, Kind schläft. Abends gestaltet sich das anders, sie möchte in den Schlaf begleitet werden, das sieht dann eben so aus, dass jemand neben ihrem Boot sitzt (das Bett ist ein Boot, also kein Gitterbett mehr) und sie streichelt oder ihr etwas erzählt, je nachdem. Je nach Energielevel schläft sie dann innerhalb von 10-30 Minuten ein. An diesem ersten Abend, nahm ich wie gewohnt neben ihr Platz und sagte Folgendes „Hör mal Jadekind, ich bin total müde, ich kann nicht mehr. Ich muss jetzt noch was essen und dem Hektor den Schwanz verbinden. Ich kann nicht bei dir bleiben heute, aber nachher, wenn du eingeschlafen bist, da guck ich nochmal nach dir.“ Dieses wunderschöne kluge Kind schaute mich kurz an, vergewisserte sich der Ernsthaftigkeit dieser Aussage durch einen Blick auf meine Augenringe und sagte dann: „OK, Mama!“
Das war’s, kein Geweine, kein Nachfragen, nichts, sie hatte es schlicht begriffen, es war die Wahrheit.
Da war ich doch noch etwas stolz, weniger auf mich, sondern mehr auf das Kind. Was war sie groß geworden.
Mittlerweile sind wir zum alten Ritual zurückgekehrt, vor allem weil es sich mein Mann nicht nehmen lassen möchte. Diese sanften letzten Minuten eines Tages mit ihr zu verbringen. Aber es ist gut zu wissen, dass es auch anders geht. Und zwar ohne Tricks.

Stern über meine Zeit

Achtung amtliche Warnung, es könnte kitschig werden. Diese Zeilen sind mir in den Kopf geschossen, als ich heute Abend mit meiner großen Tochter spielte. Ich wurde von ihr schonmal zu Bett gespielt und beobachtete sie aus schlitzigen Augen. Während sie mich schlafend wähnte, saß sie ganz still vor mir und testete den Mechanismus meiner Haarspange. Und wie sie so da saß goss es mir honigwarm über Herz und Seele.

Du bist wie ein Stern,
mit Diamant überzogen.
Das macht dich hell und klar.
Ich hab dich an mein Firmament geboren,
seit dem ist nichts mehr wie es war.
Hell ist es geworden und ich verstehe das Sein in deinem Schein.
Dabei scheinst du nicht für mich allein,
die ganze Welt liegt dir zu Füßen.
Ich schau zu dir auf und seh dich erwachsen
irgendwann wirst du mir entwachsen sein.
Der Weg dahin ist unsere Reise.
Jeder Abschied kommt auf seine Weise.
Aber du wirst scheinen
Auch über meine Zeit
So packen wir’s an
und gehn unsren Weg
bis zur Unsterblichkeit

.

Erziehungskrisen-Beziehungskrisen. Vom Scheitern und Wachsen an den eigenen Maximen.

Oh nein oh nein. Oh manno. So würde unsere große Tochter wohl diesen Beitrag beschreiben. Und damit ist auch eigentlich schon fast alles gesagt. Wir hatten die vergangene Woche einige Krisen. Normalerweise ist das Jadekind das was man weithin als „pflegeleicht“ und „Sonnenschein“ bezeichnen würde.  Will heißen sie ist selten quakig, meistens gut drauf, für ihr Alter erstaunlich einsichtig und vernünftig -eben eine ganz Liebe. Auch ihrer kleinen Schwester gegenüber, die ja nun immerhin seit 8 Wochen einen beträchtlichen Teil Aufmerksamkeit, die ihr zur Verfügung stand, einfordert, verhält sie sich lieb und umsichtig.  Da wird der Schnuller zurück gestopft wenn er verloren geht, ich werde sofort mit einem energischen „Mama! Bebe beint!“ informiert, sobald das Bernsteinmädchen in den Beschwerdemodus übergeht (daswürdeichsonstglattüberhören.NICHT.), es werden Küsschen verteilt und wenn ich das ‚Bebe‘ stille, dann beschäftigt sich die ‚Große“ wunderbar alleine.  Also alles ist gut. Beziehungsweise war gut.

Denn seit einigen Tagen geraten wir immer mal aneinander. Und auch wenn ich weiß,  dass das völlig normal und sogar wichtig für die Entwicklung des Jadekindes ist, ist es für mich die bisher größte Herausforderung.  Ich selbst bin nämlich ein stark auf Harmonie bedachter Mensch.  Zumindest im Kreise meiner Familie  (imArbeitslebenhalteichDisharmonienwesentlichbesseraus). Aber das Aushalten derselben gehört zur Erziehung einfach dazu. Vielmehr finde ich es sogar sehr wichtig Kindern zu vermitteln, dass auch Streitigkeiten, Meinungsunterschiede, unbequeme Ge-und Verbote nichts, aber auch gar nichts an der BEziehung zueinander ändern. Ich möchte meinen Kindern ganz platt gesagt klar machen, dass ich sie im Streit und wenn sie bockig und schwierig und nervig sind genauso liebe, wie in den Momenten in denen sie brav, gehorsam und angepasst sind. Eigentlich halte ich das für das KERNELEMENT des ‚groß‘ werdens: Als Kind das (Selbst)Bewußtsein zu haben, dass die Überschrift ‚“Ich bin genau so gut, wie ich bin.“ tragen könnte.  Und nun ja. Nach dem große-Rede-schwingen muss ich zugeben, dass es mir sehr schwer fällt in besonderen Situationen nach meiner eigenen Maxime zu handeln.

Da war zum Beispiel dieser Tag an dem das Bernsteinmädchen nur weinte und nur an die Brust wollte und es nur regnete. Und weil das Jadekind in der Woche davor von der Hand-Fuß-Mund-Krankheit mit hohem Fieber geplagt war (und da sehr viel Mitleids-werd-schnell-gesund-Boni genossen hatte) oder einfach nur so oder weil die kleine Schwester mit ihrem vielen Gemeckere auch bei ihr die Nerven seziert hatte,  türmte das Jadekind beim Spaziergang.  Wir befanden uns gerade in einer Sackgasse  (imdoppeltenSinnequasihaha), so dass ich beschloss zu pokern. Das bedeutet ich stürmte nicht hinterher, sondern rief das Kind. Das lief unbeirrt weiter. Weiterpokern. Ich schob mich nebst Kinderwagen aus dem Sichtfeld, das Kind lief unbeirrt weiter. Pokerface adè.  Ich bekam langsam Muffensausen wegen der Autos ( konntediekurzeSackgassenstraßegutüberblickenabertrotzdem) und bin dem Kind dann doch hinterher. Packte es unter den Arm. Sagte kurz es müsse hören wenn ich rief. Das Kind nickte das so ab. Bis wir zurück beim Kinderwagen  (hatteichbeimSprintnichtdabei) waren, weinte das Bernsteinkind. Bis ich dieses beruhigt hatte, startete das große Mädchen die gleiche Aktion nochmal, nur in andere Richtung: Ich rief -sie lief. Nochmal 2 große, schnelle Schritte, dann hatte ich sie. Unter den Arm geklemmt und verlauten lassen, dass wir nun nach Hause gehen. Geweine. Das hab ich bis wir zu Hause waren ignoriert (genauwiedieZuschauerdiewirbisdahinhatten).  Als wir zu Hause ankamen, wollte das Jadekind geschaukelt werden und ich dachte „Ok- sie ist auch noch klein. Lassen wir es gut sein, das hat bestimmt sowieso „gesessen“.“ Nun, beim Schaukeln war prima Stimmung.  Als wir dann rein wollten (wegenbeginnendenRegens),  lief sie wieder weg. NACHDEM die Schuhe ausgezogen waren natürlich. .. Ich ließ sie laufen (GartenisthermetischabgeriegeltSäuglingweinteschonwiedermeineLuftwarraus) und dachte : die kommt schon. Keine Frage.  Sie kam nicht. Auch nicht nach 30 Minuten, die ich mit Säugling an der Brust von einem Beobachtungsposten zum nächsten schlich. Also ging ich raus, sagte noch einmal „Komm jetzt bitte rein!“ und nachdem nichts passierte  (aberimmerhinauchnichtRichardKimblemäßigdieFluchtangetretenwurde),  schnappte ich sie unter den Arm und trug sie rein. Diesmal kein Widerstand.  Auch nicht verbal. Bis zum Abend hatten wir eine gute Zeit.

Aber dann passierte es. Nach unseren üblichen  Ritualen,  sollte es nach oben gehen. Weil der Papa beim Säugling war, übernahm ich den Job (seitetlichenTagenmalwiederichwarjameistbeimSäugling). Das Jadekind tobte und schrie, weil es nicht nach oben wollte. Als wir endlich oben waren, wollte sie zu ihrem Papa. Als ich ihr erklärte  (eswargraderuhiggewordenimSchlafzimmerundichdachteGottseiDankdasBabyschläftendlichbloßnichtstören),  dass der Papa nicht könne kam zu dem ohnehin schon vorhandenen Trotz noch Wut dazu. Das Jadekind machte ein Wutknurrgeräusch (dasichnochnievonihrgehörthatte), lief auf mich zu und patschte nach mir. Abgesehen davon, dass ich erschrocken war, war ich auch sofort (innerlich natürlich) verletzt und mir kamen die Tränen.  Das passierte dann noch einmal und ich war in diesem Moment so hilflos überfordert, das ich sie einfach packte, in ihr Zimmer trug und die Tür HINTER mir zumachte. Ich ließ sie allein! Ich glaub ich sagte noch etwas in Richtung „Wir hauen uns hier nicht. Ich komm wieder, wenn du dich beruhigt hast!“. Dann war Ruhe. Auf beiden Seiten der Tür. Urplötzlich.  Ich lauschte und hörte sie dann vor sich hin sagen „Oh nein. Oh man oh man!“. Besser hätte ich es nicht sagen können.  Mir kamen die Tränen.  Ich war erschrocken. Über ihr Verhalten und meins auch. Ich atmete dreimal tief durch (ganzbewußt) und betrat das Zimmer  (dawarenvielleicht60Sekundenum). Sie lag auf ihrem Bettchen und schaute mich an. Ich fragte ob ich ihr ein Buch vorlesen soll -„Ja, Mama!“…so haben wir es dann gemacht. Dabei wurde sie ab und zu noch von rinem Schluchzer geschüttelt (daskennichsooogutvonmir). Schlussendlich ist sie neben mir eingeschlafen und hat dabei das obligatorische Schlafkuscheln eingefordert : „Ei Mama bitte!“. Soweit so gut. Aber an dem Tag war ich echt durch mit der Bereifung.

Was war da los? Ganz normal? Beginn des Trotzalters? Zuviel von allem (Babygeweine, angespannte Mama, dann noch kein Papa zum ins Bett gehen,…)?

Und was hätte ich noch oder anders machen können? Hab ich ich mich an meine eigene Maxime  ( Streit ändert nichts an unserer Beziehung ) gehalten oder ist es doch (bis jetzt) nur eine hohle Phrase?

Wie seht ihr das? Kennt ihr das? Ich hab jedenfalls viel nachgedacht darüber und hoffe in der nächsten so gearteten Situation etwas mehr Souveränität und innere Ruhe ausstrahlen zu können.  Das hat mir hierbei definitiv gefehlt denk ich …

Freu mich über Kommentare.

AHOI, eure Aline

Wieviel Kinder hätten Sie denn gerne?

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JAHAAA. Diese Frage beschäftigt mich gerade STÄNDIG.  DAUERND.  UNAUFHÖRLICH.  Es ist schon ganz nervtötend.  Sogar für mich selbst. In jungen Jahren, gekoppelt mit einer Liebesleben -Pechsträhne lautete meine Antwort: „Gar keine!“. Und das hab ich ernst gemeint. Damals.  Zum Nach- und Umdenken brachte mich ein intensives Gespräch mit meinen Eltern.  Es war kurz nach dem Tod meines Opas. Da meine Oma bereits einige Jahre vor ihm gestorben war, lebte er allein in dem seit Jahrzehnten gemeinsam bewohnten Haus, in dem auch die drei gemeinsamen Kinder (darunter mein Vater) groß gezogen wurden.  Das Haus gehörte früher seinen Eltern (also denen meines Opas) und auch er war also dort groß geworden.  Es ist wohl überflüssig zu erwähnen, dass er sich dort nicht nur sehr wohl fühlte, sondern auch sehr an diesem, seinem Zuhause hing. Durch eine gute Pflegeversorgung war es möglich dass er (wie meiner Oma auch), in diesem Haus alt  werden und letztendlich sterben konnte.  Die beiden haben tatsächlich nicht einen Tag ihres Lebens in einem fremden Haus gelebt.

In jedem Fall hielten seine drei Kinder und Schwiegerkinder Wache als er im Sterben lag. Sie lösten sich ab, so dass er nie alleine war. Einige Tage ging das so, bis er schließlich friedlich einschlief. Im Beisein seiner Kinder. In dem Gespräch, das kurze Zeit später zwischen mir und meinen Eltern stattfand  (die wussten von meinem „Nicht-Kinder-Wunsch“), bat ich sie darum mir die letzten Stunden im Leben meines Opas zu erzählen. Das taten sie ganz ruhig und ausführlich.  Zwischendrin weinten wir immer wieder,  aber es war schön so intensiv an ihn zu denken und ihm dadurch nah zu sein. Schließlich endete das Gespräch mit einem Satz meines Vaters den ich bis heute nicht vergessen habe: „Und deshalb Aline, ist es wichtig Kinder zu haben, damit man nicht alleine ist am Ende des Lebens.“ Natürlich hat er das nicht ausschließlich gemeint, also will heißen; meinem Vater ist schon klar dass man auch wenn man Kinder hat alleine sterben kann. Genauso ist ihm klar, dass das nicht der alleinige Grund zum Kinder kriegen ist. Aber es war in dem Moment ein Aspekt der absolut einleuchtete und den er glaub ich zu mir eher in SEINER Rolle als Sohn, der seinen Vater beim Sterben begleitet hat sagte, als in seiner Rolle als MEIN Vater.  Er wollte mich nicht belehren und nochmal erzieherisch tätig werden, es kam ganz tief von Herzen, als wäre es eine Erkenntnis, die er gerade gehabt hatte und mit mir teilen wollte.

Auf jeden Fall erinnere ich dieses Gespräch als inneren Wendepunkt für mich. Nicht als Hau-Ruck-Variante, es war nicht plötzlich alles anders. Eher wie ein Impuls, der etwas ins Rollen bringt.

Und mit den Jahren und dem passenden Partner war er plötzlich ganz selbstverständlich da, der Kinderwunsch.  Zwei Kinder hätten wir gern. Da waren wir uns einig.  Also haben wir Nägel mit Köpfen gemacht und sind den ganz klassischen Weg gegangen; Haus gekauft, Heirat, das Jademädchen kam im Sommer 2013 und das Bernsteinmädchen im Sommer 2015.

Und damit wären wir eigentlich komplett. So war der Plan. Aber seit der Geburt unseres zweiten Mädchens geht mir die Sehnsucht nach einem dritten Kind nicht mehr aus dem Herzen. Ich empfinde das zum einen als undankbar  (ich habe doch  zwei gesunde Kinder / nie eine Fehlgeburt erleiden müssen -will ich mein Glück etwa unnötig herausfordern??) und zum anderen als tollkühn (Hallo? Die ganze Welt scheint auf 2 Kinder ausgelegt zu sein;  Urlaubsangebote/Familientickets in Freizeitparks und auch unser Haus und Auto ist besser bedient mit 4 als mit 5 Personen).

Außerdem hoffte ich die ganze Zeit irgendwie, dass es eventuell noch die Hormone sind, die diese Wehmut in mir auslösen, und dass es sicher vorbeigeht…aber nun ist das kleine Mädchen schon 6 Wochen alt. Und die Sehnsucht wird eher stärker als schwächer. ..

Ich rechne hin und her, überlege dies und das, vertrau mich offen dem Mann an (der nicht gänzlich abgeneigt ist, aber mit der Situation, so wie sie jetzt ist, äußerst gut leben kann). Und trotzdem komm ich nicht voran mit meinem Gedankenwirrwarr. Ich lese in den Blogs http://www.dailypia.de und http://www.berlinmittemom.com über die Gefühle anderer Mütter die einen Drittkindwunsch hatten (und umgesetzt haben). Versuche irgendwie mich dort zu finden.  Etwas in mir zu finden. Eine Antwort wäre was.  Eine Lösung noch besser. Ich hätte ja gern alle Zeit der Welt, aber die habe ich nicht.  Erstens weil ich in weniger als zwei Monaten 36 werde und auf keinen Fall mit 40 nochmal Mama werden will (eigentlich auch nicht mit ü38) und zweitens, weil ich einen engen Altersabstand der Kinder bevorzuge. Klingt für den einen nach Himmelfahrtskommando,  ist aber das was ich favorisiere  (solange sich sowas eben plan lässt  (s.o.)).

Nun ja. Nun sitz ich hier ich armer Tor…und bin so klug …..ihr kennt das ja.

Vorläufig sieht der Plan so aus: ich werde mir noch bis Ende des Jahres Zeit lassen, mich von und mit den Gedanken und dem bis dahin noch zu Erlebenden treiben lassen. Mich immer wieder mit dem Mann besprechen und dann hoffentlich dem Herzen folgen dürfen. Das muss bis dahin natürlich mal aus dem Quark gekommen sein…

Und eins wissen wir ja alle: Jedes Herz ist eine revolutionäre Zelle!